Die vielen Unternehmen in der Lebensmittelindustrie in der Region Seeland und in Ostholstein sollten sich in stärkerem Maß auf die neuen Möglichkeiten und Herausforderungen vorbereiten, die sich für die Wirtschaft aus der Festen Fehmarnbeltquerung ergeben werden.
Das meinen das regionale Entwicklungszentrum „Grønt Center“ auf Lolland und die Wirt-schaftsförderung in Lübeck, die die Initiative zur Kooperation Beltfood ergriffen haben. Fokus des Projektes ist die Weiterentwicklung der Kompetenz in kleinen und mittleren Lebensmittelunternehmen.
Der dänische Teil von Beltfood hat seinen Sitz im „Grønt Center“ in Holeby auf Lolland, wo Lis Andresen die Fäden in der Hand hält:
„Wir konzentrieren uns auf kleinere Lebensmittelunternehmen aus der Region Seeland, die ihren Markt gern auf Deutschland ausweiten möchten. Ihnen soll geholfen werden, die Synergieeffekte zu nutzen, welche sich durch Partner und qualifizierte Arbeitskräfte auf der anderen Seite des Belts ergeben. Wir möchten nämlich auch gern den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt voranbringen.“
Auf deutscher Seite ist die Lübecker Wirtschaftsförderung, die auch das schleswig-holsteinische Ernährungsnetzwerk „foodRegio e.V.“ betreut, für Beltfood federführend. Dort sieht man in der deutsch-dänischen Kooperation gerade für kleine Unternehmen die Gelegenheit von neuen Marktpotenzialen profitieren zu können:
„Vom klassischen Lebensmitteleinzelhandel über das Business-to-Business Geschäft bis hin zum öffentlichen Großverbraucher bietet Dänemark vielseitige Absatzmöglichkeiten für Nahrungsmittelhersteller“, so Björn P. Jacobsen, Prokurist bei der Lübecker Wirtschaftsförderung. Durch die Einbindung von Exportberatern erhalten auch kleine Unternehmen ohne Erfahrung im Auslandsgeschäft das notwendige Handwerkszeug, um die Marktpotenziale in Dänemark nutzen zu können.
Die Initiative hat eine Seminarreihe gestartet, die die Unternehmer auf den Markteintritt auf der anderen Seite des Belts vorbereiten soll. „Den ersten fünftägigen Lehrgang werden wir in diesem Frühjahr anbieten. Wir gehen davon aus, dass die deutschen und dänischen Teilnehmer einen dieser Tage gemeinsam verbringen, um einander kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Der Lehrgang endet mit einem gemeinsamen Besuch einer Lebensmittelmesse, vielleicht der Food Expo/Anuga“, sagt Lis Andresen.
Der Ökoladen in Vordingborg stellt handgemachte, ökologische Schokolade her und ist eines der Unternehmen, die sich bei Beltfood gemeldet haben. Geschäftsführer Jan Elmelund nimmt mit einem klaren Ziel an dem Lehrgang teil. „Ich möchte gern mehr über den deutschen Markt erfahren. Deutschland erlebt derzeit ein Wachstum, und es werden dort ebenfalls mehr ökologische Produkte gekauft. Deshalb wollen wir auch versuchen, den Deutschen unsere Schokolade zu verkaufen. Spaßeshalber sagen wir gern, dass Vordingborg etwa in der Mitte zwischen Kopenhagen und Hamburg liegt, und dass dies auch unser Heimatmarkt sein sollte. Doch in Wirklichkeit besteht kein Grund dafür, warum unsere Lastwagen zukünftig nicht auch nach Hamburg fahren sollten“, so Jan Elmelund.
Der dänische Teil von Beltfood nimmt seinen Ausgangspunkt in der „Lebensmittelplattform der Region Seeland“, einem Netzwerk aus etwa 450 Unternehmen.
„Für 2012 ist geplant, auf den diesjährigen Lehrgang relevante Angebote folgen zu lassen, die zu den neuen Bedürfnissen der Unternehmen passen. Vielleicht können wir den Lehrgang an einer Ausbildungsinstitution ansiedeln, wo er dann zu einer festen Einrichtung wird“, ist Lis Andresen zuversichtlich.
Um die Chancen eines grenzüberschreitenden Marktes nutzen zu können, spielt nicht zuletzt die Erreichbarkeit eine wichtige Rolle, glaubt auch Björn P. Jacobsen, Prokurist bei der Lübecker Wirtschaftsförderung, und freut sich: „Ab 2020 ist man von Lübeck aus schneller in Dänemark als im Südwesten Hamburgs.“
Primär finanziert sich Beltfood durch Mittel aus dem EU-Programm Interreg IV.
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