Der Jubel auf Lolland war groß: Femern A/S hat am 26. Mai 2011 beschlossen, dem dänischen Verkehrsminister Rødbyhavn als einzigen Produktionsstandort für die Fehmarnbeltquerung vorzuschlagen. Laut Schätzungen der Planungsgesellschaft entstehen hierdurch in der etwa sechseinhalb Jahre langen Bauphase ca. 2.000 Arbeitsplätze. Dies beschert der vergleichsweise wirtschaftsschwachen Region in Dänemark gewaltige Wachstumschancen.
Dass damit jedoch alle wirtschaftlich relevanten Entscheidungen getroffen und der Kuchen vollständig verteilt wäre, ist weit gefehlt. Zwar hatten sich auf deutscher Seite auch Standorte in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern für den lukrativen Auftrag beworben. Allerdings machte der Schleswig-Holsteinische Wirtschafts- und Verkehrsminister Jost de Jager nach Bekanntwerden der Entscheidung deutlich, „dass dieser dänische Produktionshafen auch enorme Ausstrahlungseffekte auf die Beltregion insgesamt und damit auch auf Schleswig-Holstein haben wird."
In der Tat ist es so, dass die Produktion der Tunnelelemente in Rødbyhavn nur etwa die Hälfte aller für das Projekt notwendigen Arbeiten ausmacht. Sowohl auf deutscher als auch auf dänischer Seite fallen beispielsweise die Aushub- und Verbauarbeiten der Tunnelportale sowie die Rampenanschlüsse an die vorliegende Straßen- und Schieneninfrastruktur an. Ebenso kann ein beachtlicher Teil der Arbeiten durch eine Vielzahl an Dienstleistern und Zulieferern übernommen werden. Hierzu zählen einerseits u.a. die Lieferung von Baumaterial, Beratungs- und Planungsleistungen, die Konstruktion der Stahlhallen und die Montage kleinerer Gebäude. Andererseits bedarf es aber auch weniger technischen Aufgaben wie der Vermietung von Fahrzeugen und Ausrüstung, des Kantinenbetriebes, Reinigungsaufträgen oder Wachdienstleistungen.
Ein Blick auf die Entstehung der Querung über den Großen Belt sowie der Öresundquerung zeigt auch, dass ein großer Bedarf an lokalen Geschäften und sozialen Örtlichkeiten besteht. Während des Baus der Öresundquerung kam es beispielsweise zu einem regelrechten Aufblühen auf schwedischer Seite. Bäcker, Restaurants, Bars und Cafés, die für das leibliche Wohl sorgen, konnten starke Zuwächse verzeichnen, ebenso wie Kinos, Sportzentren und weitere Betreiber von Freizeitangeboten, die von den Arbeitern vor Ort aufgesucht wurden.
Die Herausforderung – und der Anreiz – für Unternehmen besteht darin, die durch den Bau der Festen Fehmarnbeltquerung anfallenden Bedürfnisse und Notwendigkeiten zu erkennen und hierfür entsprechende Angebote zu liefern. Dass dabei die Größe des Unternehmens nicht ausschlaggebend sein muss, zeigt das Beispiel der PP Consult A/S. Die dänische Firma war am Öresund mit lediglich fünf Mitarbeitern an der Fertigung der Stahlhallen für die Produktion des Drogdentunnels beteiligt. Geschäftsführer Poul Poulsen sprach auf einem Seminar des deutsch-dänischen Kooperationsprojektes „BeltTrade" über die Möglichkeiten, die sich gerade kleinen Unternehmen bieten: „Es ist eine Frage der Zusammenarbeit. Wenn man über die Expertise in einem bestimmten Bereich verfügt und sich die passenden Partner sucht, kann man als Zusammenschluss von kleinen Unternehmen attraktive und konkurrenzfähige Angebote liefern – und auch den Zuschlag bekommen."
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