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Die Wahrnehmung der Fehmarnbeltquerung ist das größte Risiko

Datum: 16.11.2011
Interview mit Dr. Dirk Schmücker, dem Autor der Einflussanalyse Tourismus auf Fehmarn und in Großenbrode

Dr. Dirk Schmücker ist Leiter Forschung beim Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) und Autor der Einflussanalyse Tourismus. Der studierte Betriebswirt, Geograf und Tourismusmanager befasst sich seit mehr als 20 Jahren wissenschaftlich mit Tourismusfragen. Femern A/S hat Dr. Schmücker zu den Ergebnissen seines Gutachtens und seiner Arbeit als Tourismusforscher befragt. 

Das Gutachten ist 357 Seiten lang. Lässt sich das wichtigste Ergebnis auch in einem Satz zusammenfassen?
Das größte Risiko für den Tourismus in der Region ist nicht die Feste Fehmarnbeltquerung, sondern deren Wahrnehmung durch die Gäste. 

Das müssen Sie uns näher erklären.
Wir haben festgestellt, dass die Wahrnehmung der Auswirkungen der Querung deutlich negativer ist als die objektiven Auswirkungen tatsächlich sind. Dieses negative Bild wird vielfach kommuniziert und setzt sich in den Köpfen der Besucher, vor allem der Stammgäste fest, die sich dann natürlich überlegen, ob sie weiterhin kommen.  

War dieses Ergebnis auch die größte Überraschung für Sie bei den Ergebnissen des Gutachtens?
Was mich am meisten überrascht hat, war wie gering die objektiven Auswirkungen der Fehmarnbeltquerung auf den Tourismus tatsächlich sind. Ich hatte mit deutlich mehr Beeinträchtigungen gerechnet. 

Was sollte denn Ihrer Meinung nach nun mit den Ergebnissen dieser Studie passieren?
Was definitiv nicht passieren sollte ist, dass sie einfach zur Kenntnis genommen und dann zur Seite gelegt werden. Es gibt am Ende der Studie ja bereits einige Hinweise dazu, was nun weiter geschehen könnte. Dort wird vor allem betont, wie wichtig eine positive Kommunikation ist. Dazu gehört unter anderem ein attraktives Ausstellungszentrum, aber das allein ist auch nicht alles. Es wäre wünschenswert, dass jetzt in der Region ein Masterplan für die Tourismusentwicklung mit der Festen Fehmarnbeltquerung erarbeitet wird. 

Viele hatten bereits letztes Jahr mit der Einflussanalyse Tourismus gerechnet. Warum wird das Gutachten jetzt erst vorgestellt?
Viele Studien und Untersuchungsergebnisse, die eine wichtige Basis für das Gutachten bilden, lagen letztes Jahr noch gar nicht vor und sind – wie zum Beispiel die Untersuchungen zu Sedimentaufwirbelungen – erst in den letzten Wochen fertig geworden. Mit dieser nun sehr umfangreichen Datenbasis ist das Gutachten deutlich besser und aussagekräftiger als es letztes Jahr hätte sein können.  

Das Gutachten ist jetzt ja abgeschlossen. Was ist denn Ihr nächstes Projekt?
Ich arbeite gerade an einem weiteren deutsch-dänischem Projekt, diesmal allerdings an der Westküste Schleswig-Holsteins. Wir führen dort eine Gästebefragung durch. Die deutsch-dänische Grenzregion arbeitet dort gerade daran, eine gemeinsame Identität im Tourismus zu entwickeln. Ein bisschen wie hier, nur ohne Fehmarnbeltquerung. 

Wenn man sich die ganze Zeit beruflich mit Urlaub beschäftigt, kann man dann eigentlich noch selbst entspannt in Urlaub fahren?
Klar kann man das, schließlich hat man ja gelernt, wie man sich richtig erholt. 

Man kann Erholung lernen? Wie geht das denn?
Naja, es gibt schon eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, wie ein Urlaub aussehen sollte, damit er wirklich erholsam ist. Dafür sollte man sich idealerweise im Urlaub ein bisschen bewegen und, ganz wichtig, nicht direkt vom Schreibtisch in den Flieger und wieder zurück hetzen, sondern ausreichend Zeit für einen sanften Übergang einplanen.

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