Bereits im letzen Jahr wurde eine detaillierte Untersuchung der Bohrtunnelvariante abgeschlossen und Femern A/S veröffentlichte einen konsolidierten technischen Bericht mit Beschreibungen der vier untersuchten Bauwerksvarianten. Auf Basis dieser Untersuchungen wurden nun Absenk- und Bohrtunnel in einem technischen Vergleich einander gegenüber gestellt. Verglichen wurden dabei unter anderem Baumethode und bauliches Risiko, Bauzeit, Ressourcenverbrauch, Verwendbarkeit des Aushubmaterials und Kosten.
Zwei verschiedene Baumethoden
Im Gegensatz zu einem Absenktunnel, bei dem vorgefertigte Tunnelelemente in einen zuvor ausgehobenen Tunnelgraben abgesenkt werden und dieser anschließend wieder verfüllt wird, arbeiten sich beim Bohrtunnel Tunnelbohrmaschinen durch den Untergrund. Drei etwa 20 Kilometer lange Tunnelröhren mit einem Durchmesser von rund 15 Metern müssten beim Bau eines Bohrtunnels durch einen schwierigen Untergrund gebohrt werden. Anders als beim Absenktunnel kann der Bau eines Bohrtunnels in dieser Größe und unter den vorliegenden geologischen Verhältnissen nicht als erprobte Bautechnologie angesehen werden. Das bauliche Risiko ist daher bei einem Bohrtunnel höher. Auch die Bauzeit ist mit acht statt sechseinhalb Jahren deutlich länger bei einem Bohrtunnel.
Ressourcenverbrauch
Die Größe der beanspruchten Fläche auf Fehmarn und Lolland unterscheidet sich abhängig davon, ob ein Absenk- oder ein Bohrtunnel gebaut wird. Die auf beiden Seiten einzurichtende Baustelle wäre bei einem Bohrtunnel deutlich größer als bei einem Absenktunnel. Allerdings muss bei einem Absenktunnel auch die benötigte Fläche für die auf Lolland geplante Produktionsstätte für die Tunnelelemente berücksichtigt werden. Die benötigte Fläche für Baustelle und Produktionsstätte für einen Absenktunnel auf Lolland umfasst rund 205 Hektar, die Baustelle auf Fehmarn rund 30 Hektar. Ein Bohrtunnel erfordert eine Baustelle von etwa 76 Hektar auf Lolland und 46 Hektar auf Fehmarn. Der Gesamtflächenverbrauch ist also geringer, der Einschnitt auf Fehmarn jedoch größer.
Auch der Energieverbrauch unterscheidet sich deutlich bei den beiden Bauwerksvarianten. Der Gesamtenergiebedarf liegt bei 1.230 Gigawattstunden beim Bau eines Bohrtunnels im Vergleich zu 166 Gigawattstunden beim Bau eines Absenktunnels.
Was passiert mit dem Bodenaushub?
Bei einem Absenktunnel werden rund 18 Millionen Kubikmeter Boden (14,8 Millionen Kubikmeter für den Tunnelgraben und etwa drei bis vier Millionen für die Zufahrtswege und Arbeitshäfen) ausgehoben. Bei einem Bohrtunnel fällt weniger Material an – 12 Millionen Kubikmeter Tunnelaushub und etwa zwei bis drei Millionen für Zufahrtswege und Arbeitshäfen. Während es sich bei dem Absenktunnel um reinen Meeresboden handelt, der direkt für Landaufschüttungen verwendet werden kann, muss der Bohraushub bei einem Bohrtunnel aufwendig bearbeitet werden. Dies liegt daran, dass das Material bei einem Bohrtunnel sehr flüssig und mit Bentonit versetzt ist. Auch nach der Aufbereitung kann es sein, dass ein Teil des Materials als kontaminiert eingestuft werden muss.
Bau-, Betriebs- und Wartungskosten
Die Baukosten liegen bei einem Bohrtunnel mit 6,8 Milliarden Euro etwa 25 Prozent über den Kosten für einen Absenktunnel von 5,5 Milliarden Euro (beides Preisstand 2008). Zudem fallen für einen Bohrtunnel höhere Betriebs- und Wartungskosten an. Da die Feste Fehmarnbeltquerung ein nutzerfinanziertes Bauprojekt ist, müssen bei Kostensteigerungen auch die dadurch entstehenden Zinssteigerungen berücksichtigt werden. Die längere Bauzeit für einen Bohrtunnel wirkt sich darauf zusätzlich negativ aus.
Den vollständigen technischen Vergleich der beiden Tunnelvarianten finden Sie hier (nur auf Englisch verfügbar). Der konsolidierte technische Bericht, der eine Beschreibung aller vier untersuchten Bauwerksvarianten enthält, ist hier.
« Zur Übersicht