Eine neue Infrastruktur dieser Größenordnung hat schon immer zu markanten Veränderungen geführt, heißt es im Buch. Es werden neue Beziehungen entstehen, die die Basis für neuen Warenverkehr, neuen Tourismus, neue Arbeitsplätze und neue Wohnmöglichkeiten bilden. Das wird die Gemeinwesen um die Feste Fehmarnbeltquerung verändern – sowohl die nahe gelegenen, wie Südseeland, Lolland, Falster und Ostholstein, als auch die weiter entfernt zwischen Kopenhagen, Malmö und Lund, die zusammen die „Öresundstadt“ ausmachen, und Hamburg gelegenen. Auch für die großen norddeutschen Städte Kiel, Lübeck und Rostock werden sich neue regionale Entwicklungsperspektiven auftun.
„Wenn die Feste Fehmarnbeltquerung eröffnet wird, werden wir Wachstum und Entwicklung sowohl nahe der Festen Fehmarnbeltquerung als auch in den beiden Metropolen, Öresundstadt und Hamburg, erleben“, sagt Professor Christian Wichmann Matthiessen von der Universität Kopenhagen, der an der Spitze des multinationalen Forscherteams stand, das die Fehmarn-Auswirkungen analysiert hat:
„In dem Bericht weisen wir auf eine Reihe wahrscheinlicher Entwicklungsbereiche hin, doch man muss beachten, dass die Nutzung des vollen Potentials der Festen Fehmarnbelt-querung bereits jetzt ein starkes politisches Engagement erforderlich macht, um Barrieren einzureißen, Kooperationen zu unterstützen und Mittel für die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit bereitzustellen. Die Entwicklung um den Fehmarnbelt wird nicht so schnell verlaufen, wie wir es beispielsweise in Verbindung mit der Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö erlebt haben. Sowohl die administrativen, kulturellen und mentalen Barrieren am Fehmarnbelt zwischen Dänemark und Deutschland sind weitaus größer als diejenigen zwischen Dänemark und Schweden. Hinzu kommt, dass dem Teil der Region, der dem Fehmarnbelt am nächsten liegt, schwergewichtige Zentren fehlen“.
Der Bericht weist auch darauf hin, dass sich nach der Eröffnung sowohl der lokale Arbeitsmarkt um die Feste Fehmarnbeltquerung als auch die Pendlerzahlen zwischen Kopenhagen und Hamburg markant entwickeln werden. Es gibt heutzutage fast keinen Pendlerverkehr auf dieser Strecke, doch allein die Verbesserung der Infrastruktur und die Verkürzung der Fahrtzeiten werden ein Pendeln in Gang setzen. Die Pendler sind wichtig für die regionale Entwicklung, da sie die sozialen und kulturellen Kontakte haben, die die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit sind und die für wirtschaftliche und menschliche Werte im Grenzgebiet sorgen. Insgesamt gesehen erwarten wir eine Entwicklung hin zu einem integrierten Korridor Kopenhagen-Hamburg, in dem die Immobilienpreise nach oben gehen werden und in dem ein neues Lokalisierungsmuster zu einer Realität wird. Zum Beispiel werden Pläne zu einem neuen Transportzentrum in der Nähe des Fehmarnbelts realistisch.
Das wirtschaftliche Wachstum konzentriert sich um die Zentren der Welt, und daher kommt die internationale Großstadt- und Regionshierarchie zum Tragen, wenn die Möglichkeiten für Investitionen, Entwicklung und Wachstum beurteilt werden sollen. In der Region Fehmarnbelt gibt es keine Weltstädte – de facto spielen die beiden Großstädte der Region, Kopenhagen und Hamburg, in Zahlen der Bevölkerung und der Wirtschaftskraft in der 2. Liga. Doch wenn die beiden Großstädte eine Form der Zusammenarbeit finden können, die die jeweilige Wirtschaft und Entwicklung – in engem Zusammenspiel mit den großen norddeutschen Städten – miteinander verknüpft, dann steigt dieses gesamte Stadtsystem in die 1. Liga der Weltzentren auf einer Linie mit Amsterdam, Mailand, Brüssel und Singapur auf. Wenn es gelingt, starke Kontakte und Allianzen zu bilden, wird sich die internationale Wettbewerbsposition des gesamten Korridors verbessern.
Die Kultur ist der Klebstoff, der den Wachstumsprozess zusammenhalten kann, heißt es in dem Abschnitt des Buchs über die kulturelle Zusammenarbeit. Konkret wird auf eine Reihe von kulturellen Begegnungen verwiesen, die bereits jetzt in Gang gesetzt werden können, um Wissen und Verständnis zu mehren und Kontakte zu knüpfen. Es wird jedoch davon abgeraten, die Kultur vor den Karren eines politischen Projekts zu spannen, indem man versucht, ein Gefühl der gemeinsamen Identität in dieser großen Region mit 10 Millionen Menschen zu schaffen. Das würde nicht gut ankommen, wäre schwierig und unnötig.
Das Buch „Die Feste Fehmarnbeltquerung: Regionale Entwicklungsperspektiven“ hat 440 Seiten, kostet 300 DKK (ca. EUR 40) als gedruckte Version oder 150 DKK (ca. EUR 20) als E-Buch und wird vertrieben im Syddansk Universitetsforlag, www.universitypress.dk
Fotos von der Präsentation der Studie am 28. Januar 2011 in Lübeck finden Sie hier.
Weitere Informationen:
Um weitere Informtionen von Professor Christian Wichmann Matthiessen (cwm@geo.ku.dk) oder Jacob Vestergaard, Leiter Marktentwicklung Femern A/S (jv@femern.dk) zu erhalten, kontaktieren Sie bitte die Pressesprecherin Deutschland:
Inga Karten, Tel. 030 / 288 76 59 99, ikn@femern.de
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