Wie viele Fahrzeuge und Züge werden voraussichtlich täglich über die Feste Fehmarnbeltquerung fahren?
Erfahrungen vom Großen Belt und vom Öresund zeigen, dass das Verkehrsaufkommen erheblich zunimmt, wenn eine feste Querung den Fährverkehr ersetzt. Dies ist auf die neuen Möglichkeiten zurückzuführen, die sich durch Zeitersparnisse, erhöhte Flexibilität und eine bessere Verfügbarkeit ergeben. Beim Öresund und beim Großen Belt stieg das Verkehrsaufkommen in den ersten Jahren nach der Eröffnung um 61 bzw. 127 Prozent an. Diesen Effekt nennt man auch Verkehrssprung.
In Bezug auf die Projektfinanzen wurde der Verkehrssprung bei der Festen Fehmarnbeltquerung konservativ mit 40 Prozent veranschlagt. Darüber hinaus wurde in den finanziellen Analysen angenommen, dass sich dieser Verkehrssprung schrittweise über vier Jahre realisiert. Femern A/S hat also schon von vornherein vorausgesetzt, dass der anfängliche Anstieg des Verkehrsaufkommens am Fehmarnbelt um einiges niedriger als am Großen Belt und am Öresund ausfallen wird.
Wenn die Feste Fehmarnbeltquerung öffnet, werden demnach im ersten Jahr durchschnittlich 8.000 Fahrzeuge täglich erwartet. Es wird davon ausgegangen, dass die Anzahl fünf Jahre nach der Eröffnung bei etwa 10.800 Fahrzeugen täglich liegt. Bei den Prognosen zur Wirtschaftlichkeit geht man bei Femern A/S davon aus, dass das Verkehrsaufkommen in den ersten 25 Jahren der Lebensdauer der Querung um 1,7 Prozent jährlich steigen und danach auf dem dann erreichten Niveau verbleiben wird.
Für die Bahnverbindung wird ein markanter Anstieg in der Anzahl von Güterzügen erwartet, sodass fünf Jahre nach Eröffnung mit 40 Personenzügen und 78 Güterzügen pro Tag gerechnet wird.
Berücksichtigen die Verkehrsberechnungen die Möglichkeit, dass es weiterhin einen Fährbetrieb Puttgarden-Rødby geben wird?
Bei den Verkehrsberechnungen wird nicht davon ausgegangen, dass es nach Eröffnung der Festen Fehmarnbeltquerung weiterhin einen Fährbetrieb zwischen Puttgarden und Rødby geben wird. Es ist die Entscheidung der Fährreedereien, ob sie den Fährverkehr auch künftig aufrechterhalten wollen. Die Erfahrungen vom Großen Belt und vom Öresund haben gezeigt, dass der Fährverkehr nach Eröffnung der festen Querung recht schnell eingestellt wurde.
Wird die Baustelle bei Puttgarden zu längeren Verkehrsstaus vor der Fehmarnsund-Brücke führen und den Zugang zur Insel für die Touristen erschweren?
Davon ist generell nicht auszugehen. Den größten Teil des Materials, das für den Bau der Tunnelportale nahe dem Fährhafen Puttgarden benötigt wird, wird über den Seeweg angeliefert. Für diesen Zweck wird auf dem Baugelände eigens ein Arbeitshafen eingerichtet. Es ist davon auszugehen, dass täglich durchschnittlich etwa 50 Lastwagenfahrten notwendig sein werden, um das Baumaterial anzuliefern, wobei anfangs bis zur Fertigstellung des Arbeitshafens mehr, später weniger Fahrten erforderlich sein werden. Im Vergleich zu den durchschnittlich mehr als 950 Lastwagen, die heute bereits täglich die Fährverbindung nutzen, wird der Bauverkehr daher nicht zu signifikant längeren Staus auf der Fehmarnsund-Brücke führen.
Wie viel wird die Feste Fehmarnbeltquerung kosten?
Vor Durchführung der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) betragen die geschätzten Baukosten für den Fehmarnbelttunnel etwa 5,5 Mrd. EUR. Für die dänische Hinterlandanbindung liegen die geschätzten Baukosten bei etwa 1,1–1,2 Mrd. EUR. Die Baukosten sind mit Preisstand 2008 angegeben und können sich im Zuge der weiteren Planungen noch verändern.
Die Baukosten für die deutsche Hinterlandanbindung werden von der Bundesrepublik Deutschland übernommen und sind mit insgesamt 840 Mio. EUR veranschlagt (Preisstand 2003). Die Deutsche Bahn arbeitet zurzeit an einer neuen Kostenschätzung für die Schienenhinterlandanbindung. Hinzu kommen ggf. noch die Kosten für die Errichtung einer zweiten festen Querung über den Fehmarnsund, für die sich die Landesregierung Schleswig-Holstein ausgesprochen hat.
Die Wirtschaftlichkeit des Fehmarnbelttunnels hängt in hohem Maß von den Finanzierungskosten ab, da das Projekt durch Kredite finanziert wird. Hier spielt zum Beispiel die konjunkturelle Situation eine Rolle. So liegt das Zinsniveau durch die schwache Konjunktur der letzten Jahre um einiges unter dem Zinsniveau, das den finanziellen Analysen für das Projekt zugrunde gelegt wurde. Das kommt dem Fehmarnbeltprojekt derzeit zugute. Doch auch in diesem Punkt muss Femern A/S langfristig denken, wenn es um ein so großes und langfristig angelegtes Vorhaben geht. Deshalb werden die langfristigen Zinsprognosen derzeit nicht geändert.
Sind diese Kostenschätzungen zuverlässig?Alle anderen Bauprojekte verteuern sich ja im Laufe der Zeit.
Ja, auf die Kostenangaben kann man sich verlassen. Femern A/S schätzt, dass die veranschlagten Kosten für das Querungsbauwerk, die im November 2010 veröffentlicht und im Juni 2011 aktualisiert wurden, realistisch sind. Es muss jedoch betont werden, dass immer noch zusätzliche Kosten infolge von Auflagen in Verbindung mit der Umweltbewertung und der Genehmigung des Projekts durch die Behörden entstehen können. Ferner werden die kommenden Angebote der Bauunternehmen für die Bauarbeiten die aktuelle Marktlage in der Baubranche widerspiegeln.
Hat die Finanzkrise die Perspektiven für die Feste Fehmarnbeltquerung verändert?
Die langfristigen Prognosen/Perspektiven für das Bauvorhaben bleiben unverändert, trotz Finanzkrise. In Zeiträumen mit geringerem wirtschaftlichem Wachstum nimmt das Verkehrsaufkommen zwar in der Regel ab, aber auch die Preise im Baugewerbe und das Zinsniveau fallenAktuell liegen die Finanzierungskosten für die Fehmarnbeltquerung in Dänemark auf sehr tiefem Niveau.
Außerdem handelt es sich bei der Festen Fehmarnbeltquerung zwischen Dänemark und Deutschland um ein großangelegtes Investitionsprojekt, das strukturelle Veränderungen bewirken wird. Die Querung bedeutet neue Infrastruktur und eine bessere Erreichbarkeit und verfügt somit über das Potenzial, die wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklung in den angrenzenden Regionen nachhaltig zu fördern.
Wie überzeugend ist der Business Case?
Die Feste Fehmarnbeltquerung wird über Darlehen finanziert und durch die Nutzer amortisiert. Die Wirtschaftlichkeit des Projekts wurde mittels einer finanziellen Analyse beurteilt, in der die Kosten und Einnahmen im Hinblick auf die Errichtung und den Betrieb der Festen Querung – einschließlich der Straßen- und Schieneninfrastruktur auf dem dänischen Festland – berechnet wurden. Das Ergebnis wird in Form der Rückzahlungsperiode für die Darlehen ausgedrückt. Es wurde dabei eine Rückzahlungsperiode von 39 Jahren errechnet, was für ein Projekt dieses Umfangs durchaus annehmbar ist.
Wer wird die Feste Fehmarnbeltquerung bezahlen?
Es sind die Nutzer der Festen Fehmarnbeltquerung, nicht die Steuerzahler, die sowohl das Querungsbauwerk als auch die dänische Hinterlandanbindung bezahlen. Die Finanzierung der Festen Fehmarnbeltquerung erfolgt durch Darlehen, für die der dänische Staat bürgt, sowie durch Zuschüsse von der EU. Die Darlehen werden über Nutzergebühren zurückbezahlt, genau so, wie es bei den Querungen über den Großen Belt und den Öresund der Fall ist.
Wie wird die Bezahlung zur Nutzung der Eisenbahnverbindung festgelegt?
Die Abgaben zur Nutzung des Eisenbahnabschnitts der Festen Fehmarnbeltquerung werden vom dänischen Verkehrsminister nach Beratungen mit den Regulierungsbehörden in Deutschland festgelegt. Die Finanzanalyse vom September 2008 veranschlagt die Einnahmen aus dem Schienenverkehr mit jährlich ca. EUR 47 Mio. (Preisstand 2008).
Wie lange wird es dauern, bis die Feste Fehmarnbeltquerung und die dänische Hinterlandanbindung zurückgezahlt sind?
Der Rückzahlungszeitraum für das eigentliche Querungsbauwerk beträgt 33 Jahre für einen Absenktunnel. Wird die dänische Hinterlandanbindung mitgerechnet, beträgt der Rückzahlungszeitraum 39 Jahre.
Wie wirkt es sich auf die Rückzahlung aus, wenn die Annahmen für die Berechnungen nicht stimmen?
Alle Voraussetzungen wurden auf der Basis einer konservativen Schätzung festgelegt, d. h. die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich der Rückzahlungszeitraum infolge eines niedrigeren Zinsniveaus, höherer EU-Fördermittel oder höherer Mauteinnahmen durch ein stärkeres Verkehrsaufkommen verkürzen kann.
Erhält die feste Fehmarnbeltquerung Fördermittel von der EU?
Die EU hat beschlossen, das Projekt im Rahmen des TEN-V-Programms (Transeuropäisches Verkehrsnetz) zu unterstützen und hat für den Zeitraum 2007–2013 Mittel in Höhe von rund 267 Millionen EUR zur Verfügung gestellt. Für die Machbarkeitsstudie in Bezug auf die Arbeiten auf dem dänischen Festland wurden weitere rund 12 Millionen EUR veranschlagt. Da die feste Querung über den Fehmarnbelt ein wichtiger Verkehrskorridor in Nordeuropa sein wird, ist davon auszugehen, dass auch in der nächsten Haushaltsperiode (2014-2020) EU-Fördermittel aus dem TEN-V-Programm zur Verfügung gestellt werden, in diesem Fall direkt für die Bauphase.
Warum kürzte die EU die Fördermittel für die feste Querung über den Fehmarnbelt im Jahr 2010?
Im Zuge ihrer Halbzeitüberprüfung im Jahr 2010 beurteilte die Europäische Kommission alle von der EU unterstützten TEN-V-Projekte. Da im Zeitraum von 2007 bis 2015 der Umfang der Bauaktivitäten geringer ist als ursprünglich erwartet, hat der Überprüfungsbericht eine Kürzung der Fördermittel für die Feste Fehmarnbeltquerung um etwa 72 Millionen EUR vorgeschlagen. Demzufolge wurden die Fördermittel von 339 Millionen EUR auf 267 Millionen EUR reduziert. 2012 gab Femern A/S eine Änderung des Zeitplans für das Genehmigungsverfahren bekannt, was zu einer Verschiebung des Beginns der Bauphase führte. Innerhalb des aktuellen Förderungszeitraums bedeutet dies eine Reduzierung der Fördermittel auf 194 Millionen EUR. Es ist zu erwarten, dass die EU die im aktuellen Förderungszeitraum gekürzten Gelder im nächsten Förderungszeitraum zwischen 2014 und 2020, in dem auch die Bauarbeiten stattfinden werden, wieder bereitstellt. Die Unterstützung der Festen Fehmarnbeltquerung durch die EU ist somit ungeachtet der Kürzungen im aktuellen Förderungszeitraum weiterhin gegeben.
Was wird eine Fahrt durch die Feste Fehmarnbeltquerung kosten?
Die Preise wurden noch nicht festgelegt, dürften aber dem Preis des Fährdienstes zwischen Rødbyhavn und Puttgarden aus dem Jahr 2007 entsprechen. Angepasst auf das Preisniveau von 2008 lagen die Kosten für eine einfache Fährüberfahrt bei 54 EUR (400 DKK) je Personenwagen. Diese Zahlen wurden auch bei den Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Femern A/S im Jahr 2008 zugrunde gelegt.
Der erwartete Preis für eine einfache Fahrt durch die Feste Fehmarnbeltquerung liegt damit unter dem aktuellen Preis von Scandlines für eine einfache Fährüberfahrt (67 EUR oder 499 DKK im November 2012).